GfI-Tagung 2016


Die 13. Tagung der Gesellschaft für Ichthyologie (GfI) fand vom 11. bis 13. November 2016 im Haus der Natur in Potsdam statt. Ausrichter der diesjährigen Tagung waren Dr. Jobst Pfaender und Kollegen vom Naturkundemuseum Potsdam.

Themenbereiche waren u.a.:
- Biodiversität
- Fischschutz
-
(Sexual-)Verhalten
- Phylogenie
- Evolution

Das gesamte Tagungsprogramm können Sie hier als .pdf-Dokument ansehen.

 

Wettbewerb: Bester studentischer Beitrag

Für den besten studentischen Beitrag wurden zwei Preise ausgelobt, gestiftet von der Gesellschaft für Ichthyologie (GfI). Der 1. Preis war mit 200 € dotiert, der 2. Preis mit 100 €.

Die Preisträger sind:

1. Preis: Philipp Richter - Die Rückenflossenentwicklung der Ährenfische - einzigartiges Entwicklungsmuster oder fehlende Verwandte?

2. Preis: Carolin Sommer-Trembo -Context-dependent individual variation in male sexual effort

 

Der Preisträger Philipp Richter bei seinem Vortrag zur Rückenflossenentwicklung der Ährenfische.  038 richter a

Philipp Richter bei seinem Vortrag zur Rückenflossenentwicklung der Ährenfische.

 

Abstacts der prämierten Vorträge:

Die Rückenflossenentwicklung der Ährenfische – einzigartiges Entwicklungsmuster oder fehlende Verwandte?

Philipp Richter1,2 & Timo Moritz1,2

1) Deutsches Meeresmuseum, Katharinenberg 14 - 20, 18439 Stralsund
2) Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum, Universität Jena, Erbertstraße 1, 07743 Jena

Die Atherinomorpha, die sowohl die Atheriniformes als auch ihre Schwestergruppe aus Cyprinodontiformes und Beloniformes einschließen, könnten in einer engeren Verwandtschaft zu den Mugiliformes stehen. Letztere wurden bereits den Atheriniformes sowie den Atherinomorpha als Schwestergruppe gegenüber gestellt. Im Gegensatz zu den Cyprinodontiformes und den Beloniformes mit nur einer Dorsalflosse besitzen die Atheriniformes und Mugiliformes zwei Dorsalfl ossen. Ein Vergleich der Morphologie der Dorsalfl ossenstrukturen zeigt, dass in beiden Gruppen bemerkenswerte Gemeinsamkeiten auftreten, wie zum Beispiel die interdorsalen Pterygiophoren. Die Entwicklung der Dorsalfl ossen wurde bei verschiedenen atheriniformen Arten untersucht, um die Herkunft der interdorsalen Pterygiophoren zu klären. Zusätzlich wurden diese mit Vertretern der Mugiliformes verglichen. Dazu wurden Entwicklungsserien von acht Arten innerhalb der Atherinomorpha untersucht. Mithilfe der Clearing- & Staining-Methode sowie der Antibody-Staining-Methode wurden die Proben so bearbeitet, dass die Knorpel- und Knochenentwicklung nachvollzogen werden konnte. Alle untersuchten Arten innerhalb der Atheriniformes zeigen das gleiche Entwicklungsmuster in Bezug auf die Dorsalfl ossen: Es entstehen zuerst die Strukturen der zweiten Dorsalfl osse in einem bidirektionalen Muster. Anschließend werden von caudal nach cranial weitere Flossenstrahlträger vor dieser gebildet. Nur an den vorderen entstehen danach Flossenstrahlen. Diese bilden zusammen mit ihren Pterygiophoren die erste Dorsalfl osse. Ein solches Bildungsmuster konnte noch bei keinem anderen Taxon nachgewiesen werden, obwohl die Bildung der zweiten Dorsalfl osse bei Cyprinodontiformes und Beloniformes mit der der Atheriniformes übereinstimmt. Beim Vergleich adulter Individuen der Atheriniformes konnten unterschiedliche Formen und Ausprägungen der interdorsalen Flossenstrahlträger festgestellt werden. Auch bei den Mugiliformes gibt es deutliche Unterschiede in Form und Anzahl der interdorsalen Pterygiophoren. Eine Untersuchung der Ontogenese bei den Mugiliformes steht leider noch aus. Gleiche Entwicklungsmuster der Dorsalflossen und damit auch die gleich Entstehung der interdorsalen Pterygiophoren bei Atheriniformes und Mugiliformes würden eine Verwandtschaft beider Gruppen bzw. die Verwandtschaft von Mugiliformes und Atherinomorpha weiter unterstützen.

 

Context-dependent female mate choice maintains consistent individual variation in male sexual effort

Carolin Sommer-Trembo, Martin Plath & David Bierbach

The existence of consistent individual variation in components of male sexual effort (e.g. mating activity) remains an evolutionary conundrum as strong positive selection for high mating frequencies would be expected. An as yet unexplored hypothesis assumes intersexual selection through female mate choice to contribute to the maintenance of the observed variation in male mating activity. In a system with coercive male mating (Eastern mosquitofi sh, Gambusia holbrooki), we found males to diff er consistently in their mating activity. Dichotomous preference tests using computer animations found females to prefer males with intermediate mating activity, likely refl ecting females’ tendency to avoid sexual harassment by highly sexually active males. However, when tested in the presence of a shoal of females (which protects females from male harassment), females showed stronger preferences for highly sexually active males. Our results demonstrate that females indeed use male mating activity as a mate choice criterion; a trade-off between (indirect) benefi ts of mating with sexually active males and (direct) costs associated with this likely explains context-dependent female mate choice, as costs depend on the social environment in which females exert mate choice. No preference was observed when testing virgin females that were naïve with respect to male sexual harassment, suggesting that the behavioural pattern described here is part of the learned behavioural repertoire of G. holbrooki females.